Dez 9
Press Your Luck – Die Geschichte des Michael Larson
vor 8 Monaten und 4 Wochen von rixtrick, 294 Aufrufe
Michael Larson @ Press Your Luck
Als der US-Fernsehsender CBS im Jahr 1983 das erste mal die Glücksspielshow Press Your Luck (PYL) ausstrahlte, ahnte der arbeitslose Eis-Verkäufer Michael Larson vermutlich noch nicht, was ihm wenige Monate später im Mai 1984 gelingen sollte:
Als Kandidat bei PYL trickste er die Macher des Spiels aus, blamierte den Sender CBS und täuschte jegliche Zuschauer im Studio und an den Fernsehgeräten. Denn für Michael Larson war Press Your Luck mehr als ein Glücksspiel.
Ein Video zur Story ist am Ende des Artikels angehängt.

Michael Larson hat gut Lachen
Schon seit Beginn der Ausstrahlung war Larson von der Show begeistert und hatte auf Grund seiner Arbeitslosigkeit genug Zeit sich jede Sendung anzuschauen. Das Big Board bei PYL bestand aus scheinbar zufällig angeordneten, 18 wild durcheinander blinkenden Feldern, welche entweder einen Gewinn oder aber einen Whammy (vgl. Zonk) zur Folge hatten, je nachdem auf welchem Feld man nach Drücken des Buttons gelandet war. Gewonnenes Geld wurde aufs Konto addiert und man musste im Falle eines gratis spins nochmal spielen – die Whammys waren hingegen vernichtend: Man durfte wieder bei Null anfangen. Zusätzlich konnte man Sachpreise oder Reisen gewinnen.
Ohne die Sicherheit zu haben als Kandidat für die Sendung genommen zu werden, beschloß Michael seine letzten Dollars für einen Flug nach Los Angeles auszugeben, um sich bei den Machern der Show persönlich zu bewerben. Der Plan ging auf. Wie der ausführende Produzent Bill Carruthers später berichtete, sei Larson durch sein Charisma und seinen Enthusiasmus für die Show aufgefallen und habe die Leute schon vor der Show beeindruckt.

Das Big Board von PYL mit 18 Feldern
Die erste Hälfte des Spiels verlief völlig unspektakulär. Michael kassierte einen bösen Whammy und ist nach der ersten Runde mit 0 Dollar letzter der drei Kandidaten. Doch in Runde zwei schlägt die Stunde des Michael Larson. Nach Beantwortung einer trivialen Frage, übernimmt er die Kontrolle über das Big Board.
Nach zwei Spins hat er bereits 1250 $ auf dem Konto und etliche Gratis-Spins gewonnen. Er erhöhte seinen Gewinn zunächst auf 2000 $, dann auf 5000 $, dann weiter 14000 $, 18000 $, 28000 $. Jedesmal landete er auf einem Feld mit Top-Gewinn und gratis spin. Entscheidend war aber, dass er einfach keinen Whammy traf, welcher ihn wieder auf Null zurückgeworfen hätte. Es schien beinahe so, als würden die Whammys gar nicht existieren. Dementsprechend stieg die Nervosität in der Regie. Krampfhaft wurden Werbeunterbrechungen eingebaut – auch der Moderator hatte dringend einen Schluck Wasser nötig.
Denn es gab etwas, das hatte Michael niemandem erzählt: In seinem beschaulichen Wohnzimmer in Ohio hatte er wochenlang alle Folgen der Sendung aufgenommen. Er verlangsamte die Videos um den “Zufall” des Big Boards bis ins letzte Detail zu untersuchen. Mit Erfolg. Denn schon bald erkannte er, dass es sich nicht um randomisierte Sequenzen, sondern um iterative, sequentielle Muster handelte, die zu entschlüsseln waren, wenn man wusste wonach man gucken muss.
Insgesamt gab es 6 Muster mit je 18 Feldern auf dem BigBoard. Michael kannte sie alle auswendig, hatte somit volle Kontrolle über das Board und würde garantiert nichts mehr dem Zufall überlassen. Den Whammy in der ersten Runde hatte er nur aus Unerfahrenheit kassiert. Er musste erst ein Gefühl für die Reaktionszeit des Buttons entwickeln. Wenn zwischendurch die anderen Kandidaten dran waren, so trafen sie immer ziemlich schnell einen Whammy.

Press Your Luck
Während es im Regieraum immer voller wurde, sind alle davon ausgegangen, dass Michael heute einfach seinen Glückstag hatte. Die eigentlich nur 30-minütige Sendung dauerte inzwischen schon eine Stunde. Die Regie hatte beschlossen weiter zu machen – irgendwann muss doch der Whammy kommen. Aber nicht mit Michael Larson: Fünfundvierzig aufeinanderfolgende, erfolgreiche Spins. Welcher normal denkende Mensch würde jetzt noch weiter spielen und einen Whammy riskieren? Nach jedem Gewinn sah Larson mehr und mehr aus wie ein unkontrollierter, süchtiger Zocker. Der Wahnsinn war ihm ins Gesicht geschrieben.
Aber Larson hörte nicht auf. Und es offenbarte sich ein blöder Nebeneffekt seines Plans: Er hatte keine Exit-Strategie. Denn er wusste nur wie er drücken muss, um auf Feldern zu landen, die gutes Geld bringen UND einen free spin. Er befand sich also in einer Endlosschleife. Jedes Drücken implizierte einen weiteren free spin. Und diese mussten nach den Spielregeln auch genutzt werden. Die einzige Möglichkeit da wieder raus zu kommen, bestand darin wie ein normaler Kandidat auf gut Glück zu drücken und zu hoffen, dass er weder auf einem Whammy noch auf einem Feld mit free spin landet. Da er inzwischen die 100.000 $ geknackt hatte, war auf der 6-stelligen Anzeige auch kein Platz mehr für das Dollarzeichen.
Bei einem Kontostand von 110.237 $ entscheidet sich Larson dann für diesen notwendigen Schritt. Und er gewinnt: Eine Reise auf die Bahamas. Das Publikum tobt. Die beängstigten Produzenten sehen sich längst als Opfer eines Betrugs und trommeln ein Meeting zusammen, samt Anwälten und allem drum und dran. Aber niemand kann Michael Larson etwas illegales nachweisen, denn nirgends stand geschrieben, dass es nicht erlaubt ist aufzupassen und auswendig zu lernen. Er bekommt einen Scheck über 104.000 $ und den Rest für die ganzen gewonnenen Urlaube auf Kauai (Hawaii) oder den Bahamas.

Das Publikum tobt!
Desweiteren wurde das Big Board neu programmiert und ein Gewinnlimit von 75.000 $ eingeführt. Larson musste 35.000 $ Steuern zahlen. Von dem restlichen Geld hat er einen nicht geringen Teil mit dubiosen Spekulationen in den Sand gesetzt. Verzweifelt versucht er noch bei einem Gewinnspiel eines lokalen Radiosenders abzusahnen. Der 30.000 $-Jackpot ist ausgeschrieben auf zwei Geldscheine mit aufeinanderfolgenden Seriennummern. Von der Machbarkeit dieses Unterfangens überzeugt, lässt er sich sein gesamtes restliches Geld (etwa 50.000 $) in 1-Dollar-Scheinen auszahlen und schließt das Konto.
Gemeinsam mit seiner Freundin sortierte Michael tagelang die Scheine. In der Küche, auf dem Boden, das Geld war überall. Die ganze Nachbarschaft kannte Michaels Geschichte und inzwischen auch, dass er so viel Geld zu Hause hat. Während Michael und seine Freundin auf einer Weihnachtsfeier sind wird das Geld aus dem Haus geklaut. Die beiden machen sich gegenseitig Vorwürfe und es folgt die Trennung.
Was macht ein bankrotter Michael Larson jetzt? Klar: Er rennt zu den Machern von Press Your Luck und will wieder spielen. Selbstbewusst schlägt er ein Spiel der größten Gewinner vor, aber niemand ist interessiert. Eines Tages steht dann das FBI vor Michael’s Tür und befragt ihn zu seiner Beteiligung an illegalen Wertpapier- und Immobiliengeschäften. Er flüchtet nach Florida, taucht unter und stirbt dort 1999 an Kehlkopfkrebs.
Whammy!

Whammy!
Und hier das versprochene Video, ein Zusammenschnitt der ganzen Spins.
Die gesamte Show gibt es auch noch hier:

Ein Kommentar
Kommentar von Befaro vor 8 Monaten
Wenigstens war das “Score Board” lang genug um 6 Stellige Zahlen anzuzeigen